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Wir können. Ich kann. – Ein gutes Timing für den Start einer Website 1


Wir können. Ich kann.

Für eine erfahrene PR-Frau hätte man denken können, es war so geplant: Der Start der neuen Website für psychoonkologische Beratung am 4. Februar – am Weltkrebstag!

Tatsächlich bin ich aber nur durch Zufall darauf gestoßen und als sich am Wochenende abzeichnete: die neue Seite und die ersten Inhalte stehen soweit, war dann auch für mich das offizielle Launchtiming dieser Website klar! Nämlich heute 🙂

Worum geht es hier? Es geht um Unterstützung nach der Diagnose Krebs, um neue Perspektiven, um Zuversicht, um Hilfe zur Selbsthilfe, um das „Annehmen“ und „Durchstehen“. Neben Ideen und Inspirationen aus dem „Coaching-Leben“ geht es hier auch um meine Geschichte. Die ist nicht wirklich dramatisch (meine Eltern sehen das sicherlich vielleicht anders, aber im Vergleich zu anderen traurigen Geschichten lief bei mir wirklich alles gut). Dennoch hat sie was verändert, weil sie unverhofft kam, und auch so gar nicht in mein gesundes Leben zu passen schien.

Im Juni 2015 wurde bei mir ein Tumor an der Zunge diagnostiziert. Mundhöhlenkrebs, Plattenepithelkarzinom. Whatever. Nie vorher gehört. Brustkrebs? Ja, kann frau bekommen. Unterleibskrebs? Ja, auch. Lungenkrebs? Ja, auch gehört, würde ich als Nichtraucher allerdings NIE bekommen. Logisch. Aber Zungenkrebs? Klingt ein bisschen nach einem fiesen Synonym. Wie man ja auch gerne bei schrecklichen Farbkompositionen sagt: „Da bekomme ich Augenkrebs von.“ (Solche Wortspiele finde ich übrigens nicht mehr witzig.)

Ich bin aus der PR- und Kommunikationsbranche. Da erzählt man sicherlich auch viel Blödsinn, aber soviel dass man davon Zungenkrebs bekommt? Ein guter Freund hat mich da übrigens beruhigt: „Katja, wenn man vom Bullshit-reden einen bösartigen Tumor entwickeln kann, dann hätte ich schon keine Zunge mehr!“ (Er arbeitet übrigens bei einer Bank :-)).

Was ich mit dieser Seite und meiner Geschichte also auch bewirken möchte: aufklären über eher unbekannte Erkrankungsarten und: es kann leider jeden treffen. Mundhöhlenkarzinome bekommen laut der gängigen Literatur oder laut Dr. Google eher zigaretten- und alkoholabhängige alte Männer. Mmh. Ich wage mutig zu behaupten, dass ich in diese Zielgruppe nicht reinpasse, aber dennoch kam die entsprechende Diagnose. An dieser Stelle kann ich auch sagen, dass ich mich wenig im Internet oder sonst wie „extern“ informiert habe. Denn ich las überall das gleiche und fand mich in den ganzen Aussagen nicht wider. „Schlechte Mundhygiene“ war es nämlich auch nicht! Meine Mutter war Zahnarzthelferin, da gab es keine Chance auf „larifari Zähneputzen“ in der Kindheit und auch später.

Da ich relativ schnell realisiert habe, dass es irgendwie doch eher selten ist, dass eine junge Frau (hey, noch keine 40!) wie ich, diese Diagnose bekam, habe ich beschlossen, nur den Ärzten zu vertrauen die sich nachweislich damit auskennen und nicht anderen Quellen. Keine Bücher die jemand vor zehn Jahren geschrieben hat, keinem Internet, keinem Nachbarn mit tollen Tipps. (Die ganzen Tipps von außen sind eh’ das Beste, dazu mehr an anderer Stelle…)

Strenggenommen, habe ich nur einem Arzt vertraut und nicht mehreren, aber das war ja ausreichend. Der eine Arzt, der sich damit auskennt.

Natürlich habe ich mich informiert, denn Informationen sind gut, sie lassen einen abwägen und helfen mit entscheiden zu können. Aber ich habe Informationen dazu in Maßen konsumiert und mich nicht verrückt machen lassen.

In den nächsten Wochen werde ich hier in Etappen „mein 2015 ab Juni“ beschreiben: wie es zur Diagnose kam, wie es ist im Krankenhaus zu liegen, wenn man vorher noch nie wirklich krank war und wie die Zeit danach ist, wenn man realisiert, der Körper heilt, der Kopf hinkt hinterher.

Meine Geschichte ist nicht dramatisch. Es gab keine Todesängste und keine Nahtoderfahrungen und kein monatelanges Leiden oder Aussetzen des Alltags. Und: durch eine Bestrahlung verliert man keine Haare! Aber dennoch hat diese Diagnose was durcheinander gerüttelt.

In meinem Kopf. In der Familie. Und das möchte ich nicht ignorieren.

In diesem Sinne: Fuck Cancer und liebe Grüße – Katja

P.S. : Eure Geschichten und Erfahrungen sind auf dieser Seite natürlich herzlich willkommen!


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