Mitte des Lebens oder Huch: schon 40?


Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Gedanken zu diesem Blogbeitrag sehr gut zum anstehenden – runden – Geburtstag passen. Aber eigentlich sind diese Überlegungen zum ersten Mal schon letztes Jahr im Krankenhaus aufgekommen. Also kurz bevor der 39. Geburtstag vor der Tür stand. Die Zahl mit der 3 davor. Diese schnuckelige kleine 3. 2015 durfte die 3 zum letzten Mal zusammen mit einer anderen Zahl mein Alter anzeigen. Treu stand sie mir zur Seite und hat viel erlebt, diese 3. Fast mehr als die 2, obwohl, da ist auch viel passiert. Aber mit der 3 ist noch mehr passiert und Kinder waren dabei nur ein Teilaspekt. Und nun kommt die 4. Und die 4 hat etwas Sorge, dass sie nicht soviel erlebt wie zuvor die 3 oder die 2. Denn die 4 weiß, dass sie schon die Hälfte des Lebens anzeigt. Rein statistisch gesehen, habe ich nun die Mitte meines Lebens erreicht.

Und warum habe ich das im Krankenhaus am stärksten gemerkt? Nicht nur weil mir dort vielleicht stärker bewusst wurde, dass das Leben endlich ist, sondern weil ich eben als jung wahrgenommen wurde. Ich sage nur: „Mädchen, was ist denn mit Ihnen passiert, wenn ich fragen darf?“ Zu jung für dieser Erkrankung. Zu jung, um mit den „Alten“ auf dem gleichen Zimmern der Intensiv- oder Normalstation zu liegen. Und als ich wieder aus dem Bett aufstehen konnte, fühlte ich mich zwar prinzipiell schlimm zerschossen, aber in der Tat jung. Denn im Vergleich zu den Senioren die noch immer in ihren Betten lagen und sich nicht so schnell wieder bewegen konnten, war ich dankbar um meine „jugendliche Kraft“, die mich aus dem Bett hob.

Bis ja, bis die Ärzte kamen… Die waren ausnahmslos jünger. Zumindest die meisten. Aber was hatte ich erwartet? Mein Studium war ja auch schon ein wenig her und ich konnte meinen Job auch mit Anfang 30 schon gut, aber dennoch! Überall hieß es „ich sei so jung“, aber alle „jungen Gefühle“ gehen flöten, wenn die jungen Ärzte kommen. Ich war also doch alt. Die Stationsärztin die am Wochenende Dienst hatte, hätte ich am Liebsten gefragt, ob sie überhaupt schon Abitur hat? Aber meine spitze Zunge war ja im wahrsten Sinne des Wortes gekappt worden und daher habe ich diesen Gedanken für mich behalten und mir anstandslos die Pflaster von den Narben reißen lassen. „Ich kann Pflaster nicht leiden, die müssen ab.“ Ich merke es, dass Sie Pflaster nicht leiden können. Aua. Doch jugendlicher Wahnsinn? Ich habe dann die Krankenschwester (ihres Zeichens 40 Jahre alt) gefragt, wie alt denn wohl die Stationsärztin sei?

 

„Keine Ahnung. Jung“, war die Antwort.

Aha. Das war aber für mich der Beweis, dass sie meine Gedanken nachfühlen konnte. 🙂

Und als der Physiotherapeut kam, war es ganz vorbei. Da haben sich glatt Muttergefühle eingestellt. Der war höchstens 21. Rein rechnerisch also gar nicht so abwegig…

 

14.600 Tage

Da habe ich es also gemerkt, auf den Fluren des Krankenhauses, zwischen jungem Arzt- und Pflegepersonal und alten Patienten: Ich war in der Mitte des Lebens angekommen. Die Hälfte war unwiderruflich rum – und in meinem Fall hätte es sogar auch glatt schon mehr als die Hälfte sein können. 40 Jahre oder 14.600 Tage (ohne Schaltjahre ergab es eine glattere Zahl …)

 

14.600 Tage

14.600 Tage oder 40 Jahre. Die Mitte des Lebens.

 

Die Frage die sich nun stellt, ist ja was noch passiert? Welche Blickwinkel ergeben sich noch? Was lernt man noch? Welche Erfahrungen kommen hinzu und was gewöhnt man sich vielleicht sogar ab?

Die Hälfte (oder eben sogar schon mehr) ist um, es gilt die Zeit sinnvoll zu nutzen. Können wir digitalgetrieben modernen Alltagsallrounder das überhaupt? Lernen, arbeiten, Geld verdienen, Familie, Freunde, arbeiten, ach ja Urlaub, das macht man ja so. Arbeiten, Familie, Geld … eine stinknormale Lebenskurve. Oder doch Lebensspirale? Wohin bewegt sich eigentlich so eine Lebenskurve? Ich denke, hier steckt die Schwierigkeit, bei vielen ist die Lebenskurve einfach eine stinknormale Kurve, im Zweifel sogar abschüssig oder eben doch eher eine Lebensspirale. Eine Lebenskurve sollte aber aufsteigen. So wie auch unser Alter aufsteigt. Nach oben geht. Beständig.

Verantwortlich für diese Lebenskurve sind wir. Niemand sonst. Keiner kann uns unsere Gefühle und Gedanken abnehmen und uns unser Leben vorleben. Das müssen wir schon selber tun. Wir können nur unser Leben leben und nicht das von anderen. Wir können auch nur uns verändern und nicht andere. Wir können nur uns selbst gerecht werden.

Meine Lebenskurve ist nicht gleichbleibend, sie steigt nach oben. Wenn ich z. B. meine körperliche Verfassung mit den ersten 30er Jahren vergleiche, dann bin ich eindeutig besser in Form – u. a. dank regelmäßigem Yoga (und ok, einer ungeplanten „Diät“ im letzten Jahr). Das Gute daran ist: Ich habe mit der Yogalehrerausbildung erst im Frühjahr angefangen, und Übung macht bekanntlich ja den Meister. Wie fit und flexibel ich dann wohl mit 50 sein werde? Auf diese Aussicht freue ich mich :-). Ich halte mich da also ganz an den Spruch auf meiner Handyhülle:

 

„The best is yet to come.“

 

The best is yet to come

 

Tritt ein, liebe 4. Mach’ es dir gemütlich an meiner Seite, bis die 5 kommen wird. Ich denke, wir werden viel Spannendes erleben.

 

Auf geht’s!

Katja

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