Die Benefits von Yoga bei Krebspatienten (und allen anderen)


Yoga ist kein Allheilmittel, ein bisschen „Om“ und schon bin ich gesund. Nein. Auch ist es kein reiner Sport und lustiges Verbiegen. Aber was ist es dann? Und warum hilft es dennoch den Patienten?

Ein Erklärungsversuch. Nicht nur für Krebs.

Yoga wurde erstmals schon vor weit über 2000 Jahren erwähnt – als rein spiritueller Weg um Erleuchtung vornehmlich durch Meditation zu erlangen. Die Körperübungen, die sogenannten Asanas, dienten lediglich dazu den Körper soweit zu stärken und zu kräftigen, dass man möglichst lange (und damit schmerzfrei) in der Meditation sitzen konnte. Die Asanas haben sich dann immer weiterentwickelt, da die positive Wirkung auf das körperliche Wohlbefinden festgestellt wurde. Neben den Asanas, sind Atem- und Konzentrationsübungen ein wichtiger Bestandteil der Yoga-Praxis, und dieses Zusammenspiel macht es aus. Wir kräftigen und mobilisieren unseren Körper und beruhigen gleichzeitig unseren Geist. Die Vitalität wird erhöht und die innere Gelassenheit verbessert. Genau das sind die beiden Dinge, die besonders einem Krebspatienten oftmals fehlen.

Jede Person die Yoga praktiziert weiß um die positiven Effekte auf das Wohlbefinden, aber neben der rein subjektiven Aussage „Ich fühle mich besser“ legen auch viele wissenschaftliche Studien den positiven Effekt der Yogapraxis dar. Wenn man bei PubMed die Stichworte „Yoga and Cancer“ eingibt, erscheinen schlappe 380 Publikationen. Nein, ich habe nicht alle gelesen, aber einige … Here we go:

 

Senkung der Entzündungswerte

200 Brustkrebspatientinnen nahmen im Anschluss ihrer Behandlung an einer Yogastudie der Ohio State University teil. Alle hatten noch nie zuvor Yoga praktiziert und während eine Hälfte weiterhin kein Yoga machte, nahm die zweite Hälfte zweimal die Woche für 90 Minuten an einem 12-wöchigen Yogakurs teil. Dieser Teil der Gruppe hat auch zuhause per DVD weitergeübt und berichtete nach Abschluss der Studie über mehr Vitalität und einer geringeren Erschöpfung. Diese persönliche Einschätzung bestätigte sich durch die Untersuchung von drei Zytokinen. Dies sind Entzündungsmarker im Blut, die den Grad einer Entzündung anzeigen können. Die Labortests ergaben, dass alle drei Entzündungsmarker nach dem dreimonatigen Yogakurs sich um 10-15 Prozent reduziert hatten. Somit ist Yoga auch bei weiteren Erkrankungen wie u. a. Diabetes, verschiedene Herzkrankheiten, Arthritis und Multipler Sklerose hilfreich. Diese chronischen Erkrankungen haben alle gemeinsam, dass sie aufgrund von verschiedenen Entzündungen im Körper hervorgerufen werden. Im Falle einer Krebserkrankung ist diese Studie in sofern interessant, dass Entzündungen auch für die Erschöpfungsphase (Fatigue) nach der Therapie vieler Krebspatienten verantwortlich sind und diese durch Yoga reduziert werden können.

Quelle: Kiecolt-Glaser JK1 et al. Yoga’s impact on inflammation, mood, and fatigue in breast cancer survivors: a randomized controlled trial. J Clin Oncol. 2014 Apr 1;32(10):1040-9. doi: 10.1200/JCO.2013.51.8860.

 

Weniger Stresshormone im Blut

Eine gängige „Nebenwirkung“ einer Krebserkrankung ist die Sorge, dass die Krankheit nach erfolgreicher Therapie wiederkommt, oder bei einer Stagnation, sich verschlimmert.

Eine Studie der Calgary Universität unter Carlson et al. untersuchte die physiologischen Auswirkungen von Yoga in Kombination mit Meditation und Achtsamkeitsübungen (mindfulness-based cancer recovery MBCR) und die Länge der Telomere. Ein Telomer ist vereinfacht ausgedrückt das Endstück unserer Chromosomen, je stabiler desto größer der schützende Effekt. Das Stresshormon Cortisol verkürzt die Länge der Telomere und hat somit eine schädliche Auswirkung auf die Körperzellen und unser Erbgut. Bei allen 88 Brustkrebspatientinnen, die eine Therapie abgeschlossen hatten, aber nachfolgend an leichten Depressionen und Stressempfinden litten, war der Cortisol-Level zu Anfang der Studie stark erhöht. Nach Beendigung der dreimonatigen Studie  zeigte sich bei den Studienteilnehmerinnen die Achtsamkeitsübungen, Meditation und sanftes Yoga praktizieren, ein reduzierter Cortisol-Spiegel sowie eine Erhaltung der Telomer-Länge, während bei den Patientinnen in der Kontrollgruppe sich diese sogar noch verkürzten.

Quelle: Carlson et al. Mindfulness-based cancer recovery and supportive-expressive therapy maintain telomere length relative to controls in distressed breast cancer survivors. Cancer 2015 Feb 1; 121(3):476-484. DOI: 10.1002/cncr.29063

 

Einfluss auf die Gene

Das Yoga und andere achtsamkeitsbasierte Übungen wie auch Tai Chi und Qigong, Entzündungsprozesse reduzieren, hat auch eine umfassende Analyse von Buric et al. von der Conventry Universität bestätigt. Die Wissenschaftler analysierten insgesamt 18 verschiedene Arbeiten zum Thema „Mind-Body-Verfahren“ und zeigten, dass sich neben den Entzündungsmarkern auch die Genaktivität entzündungsfördernder Stoffe bei den Patienten die Mediation, Yoga oder Tai Chi praktizierten, gesenkt hat. Über 80 Prozent aller analysierten Studien haben eine Reduzierung der Genaktivität des Proteins NF-kB gemessen, welches für die Bildung von entzündungsfördernden Zytokinen verantwortlich ist. Somit bewirkt Yoga auch einen Einfluss auf den genetischen Code.

Quelle: Buric et al. What Is the Molecular Signature of Mind–Body Interventions? A Systematic Review of Gene Expression Changes Induced by Meditation and Related Practices. Front. Immunol., 16 June 2017. doi.org/10.3389/fimmu.2017.00670

 

Verbesserung der therapiebegleitenden Nebenwirkungen

163 an Burstkrebs erkrankte Frauen wurden während ihrer Strahlentherapie entweder der Yogagruppe zugeordnet, der Gruppe mit einfachen Streckübungen oder einer Kontrollgruppe zugeordnet. Cohen et al. aus Houston analysierte, wie sich diese Übungen auf die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie auswirkten. Vor der Studie und direkt sechs Wochen nach Beendigung der Studie, sowie nach einem, drei bzw. sechs Monaten wurden Cortisolspiegel und Herzfrequenz gemessen sowie ein Befragungsbogen zum allgemeinen Wohlbefinden ausgefüllt.

Der Abfall der Cortisolwerte war im Yoga-Arm am stärksten ausgeprägt, auch war eine Fatigue-Linderung im Yoga-Arm nachweisbar. Die Streckübungen hatten hier eine ähnlich starke Auswirkung. Generell berichteten allerdings die Frauen in der Yoga-Gruppe über eine verbesserte Lebensqualität und eine erleichterte Rückkehr in den Alltag.

Quelle: Chandwani KD et al. Randomized, Controlled Trial of Yoga in Women With Breast Cancer Undergoing Radiotherapy. J of Clin Oncology 2014; doi: 10.1200/JCO.2012.48.2752

Auf deutsch im Ärzteblatt.

Auch bei Prostatapatienten konnten die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie durch Yoga gelindert – und sogar die sexuelle Gesundheit verbessert werden! (Und schwupps werden nun auch die Männer hellhörig… 🙂 ).

Aber von vorne:

Ben-Josef et al. von der Universität in Pennsylvania haben festgestellt, dass die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie bei Patienten mit einem Prostatakarzinom durch Yogaübungen verringert werden können. Die Teilnehmer haben entweder 6 oder 9 Wochen – je nach Bestrahlungsdauer – zweimal wöchentlich für 75 Minuten einen Yogakurs absolviert. Anhand eines Fragebogens wurden die Teilnehmer nach dem Grad ihrer Ermüdung befragt. Je mehr die Strahlentherapie fortschritt, desto mehr nahm der Grad der Ermüdung bei den Nicht-Übenden zu. Der typische Ermüdungspeak ab Woche 4 blieb bei der Yogagruppe sogar total aus. Auch hier schien die Yoga-Praxis die Rückkehr in einen normalen Alltag positiv zu beeinflussen. Anhand des Fragebogens wurde auch festgestellt, dass die Yoga-Gruppe kaum unter der sonst durch die Strahlentherapie üblichen Nebenwirkung der sexuellen Dysfunktion zu leiden hatte.

Quelle: Ben-Josef et al. Effect of Eischens Yoga During Radiation Therapy on Prostate Cancer Patient Symptoms and Quality of Life: A Randomized Phase II Trial. Int. J of Radiation Oncology, Aug 1, 2017 98(5): 1036-1044. https://doi.org/10.1016/j.ijrobp.2017.03.043

 

Yoga verbessert die Schlafqualität

Viele Patienten leiden nach einer Krebsbehandlung  trotz des Erschöpfungssyndrom und einem dauernden Müdigkeitsgefühl an Schlaflosigkeit. Eine Studie aus dem Jahr 2013 von Mustian et al. untersuchte die Schlafqualität von 410 Patienten die nach ihrer Behandlung unter mittleren bis schweren Schlafstörungen litten. Eine Teilnehmergruppe absolvierte vier Wochen lang zweimal die Woche für 75 Minuten ein speziell für Krebspatienten entwickeltes Yogaprogramm mit Pranayma, sanftem Hatha Yoga und Meditation. In der Yogagruppe verbesserte sich die subjektive Schlafqualität sowie die Tiefe des Schlafes, hingegen Funktionsstörungen tagsüber und nächtliche Wachphasen abnahmen. Auch hat diese Gruppe ihre Schlafmitteldosis um 20 Prozent reduzieren können.

Allerdings gibt es auch einige Studien die sagen, dass sich zwar durch Yoga der Stresslevel reduziert hat, aber das Yoga auf die Schlafqualität oftmals keinen Einfluss hatte. Ich persönliche denke mir, man kann ohne Stress und mit weniger Sorgen immer besser schlafen. Rein unwissenschaftlich festgestellt. 🙂

Quelle: Mustian KM1 et al. Multicenter, randomized controlled trial of yoga for sleep quality among cancer survivors. J Clin Oncol. 2013 Sep 10;31(26):3233-41. doi: 10.1200/JCO.2012.43.7707. Epub 2013 Aug 12.

Eine australische Studie von Pascoe et al. hat erst kürzlich eine umfassende Meta-Analyse von 42 Studien gemacht, die sich alle mit Yoga-Asanas, Achtsamkeitsübungen (mindfulness-based stress reduction) und die physiologischen Auswirkungen beschäftigt haben. Alle Studien wurde jeweils gegen eine Kontrollgruppe getestet und es wurde mindestens ein physiologischer Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Blutzucker gemessen.

Zusammenfassend lässt sich aus der Analyse von 42 Studien sagen, Yoga reduziert:

  • den Cholesterinwert sowie den LDL-Wert (Low-density Lipoprotein)
  • den Cortisol-Spiegel
  • den systolischen Blutdruck (der erste genannte Wert also z. B. „120 zu 90“)
  • die Herzschlagrate und die Herzfrequenzvaribilität (Frequenz des Herzrhythmus)
  • den Blutzuckerspiegel

Quelle: Pascoe et al. Yoga, mindfulness-based stress reduction and stress-related physiological measures: A meta-analysis. Psychoneuroendocrinology. 2017 Dec;86:152-168.. doi: 10.1016/j.psyneuen.2017.08.008. Epub 2017 Aug 30.

Und was noch gar nicht genannt wurde: Yoga verschafft mehr Kraft, Flexibilität und Mobilität. Also rauf auf die Matte!

Namasté und viel Gesundheit –

Katja

Yoga tut gut – wissenschaftlich nachgewiesen.

 

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